Schule & Prävention: Co-Radikalisierung verhindern
Die Messerattacke auf den islamfeindlichen Aktivisten Michael Stürzenberger entfacht Prozesse der Co-Radikalisierung: islamistische und rechtsradikale Akteure versuchen die Attacke zu instrumentalisieren. Doch Co-Radikalisierung hat viele Facetten. In dieser Folge diskutieren wir, wie es sich verhindern lässt, dass Maßnahmen gegen Radikalisierung selbst zu Radikalisierung beitragen – im Fokus steht dabei der Kontext Schule.
Unsere Gesprächspartner:
Prof. Dr. Michael Kiefer, Projekt RIRA, Universität Osnabrück
Dr. Junus el-Naggar, Projektleiter CleaRNetworking
Um die Ergebnisse des Sammelbandes Islamismus als gesellschaftliche Herausforderung einem breiteren und internationalen Publikum zugänglich zu machen, haben wir eine Kurzfassung erstellt.
Kostenfrei verfügbar auf Deutsch, Arabisch, Englisch, Französisch und Türkisch.

Schulische Bildung hat – so die Grundannahme bildungspolitischer Dokumente internationaler Organisationen – das Potenzial zur Überwindung verfestigter Vorurteile und Stereotype beizutragen, wenn sie Jugendlichen umfassendere Informationen an die Hand gibt, auf deren Grundlage sie sich ein differenziertes Bild machen können. Wie sehr dieses Potenzial in Bezug auf die Darstellung von Muslim:innen genutzt wird, untersucht diese Analyse von aktuellen Lehrplänen und Schulbüchern für den deutschen Schulunterrich. Die hier vorgenommene Inhaltsanalyse untersuchte mit einem möglichst offenen und gleichzeitig praktikablen Ansatz die explizite Verwendung des Begriffs Muslimfeindlichkeit, erfasste allerdings das gesamte semantische Feld rundum diese Kategorie der politischen Praxis und ging zudem der Thematisierung von Muslim:innen nach, um mögliche Perpetuierungen muslimfeindlicher Narrative aufzufinden. Ziel war es, damit die Verwendung von Begriffen, Narrativen und sowie deren Verschränkungen, als auch Differenzen mit einem deskriptiven Vorgehen herauszuarbeiten, und nicht etwa Position im Streit um Begrifflichkeiten zu beziehen.
Projekt RIRA, [Download]
Die Handreichung beleuchtet pädagogische, didaktische und schulrechtliche Herausforderungen, vor denen Lehrkräfte und Schulen nach islamistischen oder rassistischen Anschlägen stehen. Dabei geht es unter anderem um eine Sensibilisierung für unterschiedliche biografische Erfahrungen im „globalen Klassenzimmer“. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf Praxiserfahrungen und praktischen Anregungen für den Unterricht, aber auch auf weitergehenden Aspekten von Schulorganisation und Schulentwicklung.
Projekt RIRA, [Download]
Nach der katholischen und evangelischen Kirche bildet der Islam die drittgrößte Religionsgemeinschaft in Deutschland. Religiöse Vielfalt ist in Klassenzimmern längst Normalität. Gleichzeitig sind antimuslimische Einstellungen in der Bevölkerung weit verbreitet. Angesichts dieser Diskrepanz ist ein Blick auf schulische Bildungsmaterialien besonders interessant: Wie werden der Islam und Muslim*innen in deutschen Lehrplänen und Schulbüchern dargestellt? Die Islamwissenschaftler*innen Riem Spielhaus und Jan Düsterhöft haben dazu eine für Deutschland einzigartige Studie durchgeführt.
Schule kann als Mikrokosmos der Gesellschaft verstanden werden, in dem sich gesellschaftliche Entwicklungen und Fehlentwicklungen wie unter einem Brennglas verdichten. Hier zeigen sich beispielsweise Phänomene wie Mobbing, wachsende Polarisierungen zwischen unterschiedlichen sozialen Gruppen, rechtsextreme bzw. rechtspopulistische Einstellungen, frauenfeindliche oder homophobe Haltungen, antisemitische Denkmuster, Demokratieverdrossenheit bis hin zu offener Demokratiefeindlichkeit.
Zunehmend sichtbar wird dabei zudem eine gesellschaftliche Problematik, die in den vergangenen Jahren an Brisanz gewonnen hat: religiös begründete Radikalisierungen, Konflikte und Herausforderungen. Diese Dynamiken spiegeln sich in besonderer Weise im schulischen Kontext wider.
Um Lehrkräfte in diesen Herausforderungen zu unterstützen, wurden im Rahmen dreier Projekte an der Universität Vechta und der IU Internationalen Hochschule Seminarkonzepte entwickelt, die verschiedene Fragestellungen aufgreifen und praxisorientiert bearbeiten.
Diese Handlungsempfehlung zur Workshopgestaltung richtet sich an Praktiker:innen der Radikalisierungsprävention. Adressat:innen solcher Workshops sind Studierende der Erziehungswissenschaften, der Sozialen Arbeit, des Lehramts etc., die Einblicke in mögliche Berufsfelder erhalten möchten. Die Workshops können sich auch an bereits Berufstätige richten, wie zum Beispiel Lehrkräfte und (Schul-)Sozialarbeiter:innen, die sich weiterbilden möchten.
Projekte UWIT und Distanz, RADIS-Partner Violence Prevention Network, [Download]
Das Fortbildungskonzept richtet sich an Fachkräfte der Extremismusprävention sowie an pädagogische Fachkräfte im Kontext Schule. Es soll Fachkräfte befähigen, ihre Klient*innen und Schüler*innen zu Einstellungen und Gefühlen, die mit Ressentiments verbunden sind, in die Reflexion zu bringen.
Im ersten Teil wird zunächst der Begriff „Ressentiment“ definiert, um auf dieser Grundlage drei Affekttypen, anhand von ausgewählten Beispielen zu erschließen. Im zweiten Teil wird der Umgang mit negativen Affektlagen anhand von Rollenspielen erprobt, indem reale Arbeitssituationen simuliert werden.
RADIS-Partner Violence Prevention Network, [Download]
Demokratieförderung und Radikalisierungsprävention sind wichtige gesamtgesellschaftliche Aufgaben. Ein wegweisendes Projekt, das sich diesen Zielen verschrieben hat, ist das Projekt CHAMPS1 aus Köln. In dem Integrations- und Gleichberechtigungsprojekt werden pro Jahrgang etwa 20 Jugendliche zwischen 16 und 26 Jahren zu Multiplikator*innen ausgebildet. Träger ist der Verein HennaMond e.V. In diesem Text werden ausgewählte Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung durch das Forschungsprojekt Distanz vorgestellt.
Projekte Distanz und UWIT, [Download]
Ziel der Handreichung ist es, Kommunen und Fachkräfte dabei zu unterstützen eine stadtteilbezogene Radikalisierungsprävention zu entwickeln und zu etablieren. Stadtteile sind eine geeignete Ebene zur Prävention von Radikalisierung, da sie einen Ausschnitt der Alltagswelt von Menschen bilden und leicht zugänglich sind. Eine sozialräumliche Präventionsstrategie ist nicht drei geteilt in die primäre, sekundäre und tertiäre Prävention, sondern zweigeteilt in eine Beobachtungsphase und eine Interventionsphase.
Projekt RadiRa, [Download]
Kommunale Akteure stehen heute immer wieder vor der Herausforderung, lokale Radikalisierungsprävention zu koordinieren. Dadurch stehen sie auch vor der Frage, wie sie die bereits vorhandenen Angebote und Projekte evaluieren und verbessern können. Das Violence Prevention Network (VPN) hat hierfür einen Handlungsleitfaden erstellt, wie lokale Akteure zusammen mit Expert:innen ein Evaluationsdesign entwickeln können. Der Text bietet eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie sich kommunale Radikalisierungsprävention verbessern und voranbringen lässt.
RADIS-Partner Violence Prevention Network, [Download]
Werden Zuschreibungen, Stereotypen und Vorurteile schnell als eindeutige Kennzeichen von strukturellem Rassismus gelesen, wird laut Özcan Ezli ein produktiver, gesellschaftlicher Dialog verhindert. Auf Basis seiner qualitativen Forschung zu Ressentiments und ihren Folgen liefert Ezli praxisnahe Ideen, um zukunftsorientiert mit Diskriminierung und ähnlichen Phänomenen umzugehen.
Projekt Ressentiment, [Download]
Das Projekt "RIRA" beschäftigt sich multidisziplinär mit Spiralen der Radikalisierung. Dieses Working Paper gibt Empfehlungen zur Prävention von (Co-)Radikalisierung vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen wie dem Rechtsruck und dem Israel-Gaza-Krieg. Die wichtigsten Fragen dabei: Welche Maßnahmen sind wirksam? Wie lassen sich unerwünschte Nebeneffekte von Prävention verhindern?
Projekt RIRA, [Download]
Der Beitrag untersucht, inwiefern sich der „Nahostkonflikt“ aufdas Sicherheitsgefühl von in Deutschland lebenden Jüdinnen und Juden auswirkt.Ausgehend vom Theorieansatz der „politisch-kulturellen Gelegenheitsstrukturen“untersuchen wir, ob das „Nahostkonflikt“ bezogene Sicherheitsgefühl davon abhängt, wie offen oder geschlossen diese Strukturen von den (potenziell) Betroffenenwahrgenommen werden. Unsere Befunde zeigen, dass je günstiger die Gelegenheitenfür antisemitische Mobilisierung erscheinen, desto negativer wirkt sich der „Nahostkonflikt“ auf die hiesige jüdische Gemeinschaft aus, weil in der Wahrnehmung derBetroffenen antisemitische Übergriffe nicht angemessen thematisiert und juristischverfolgt werden. Mittels Daten einer Online-Befragung von in Deutschland lebendenJüdinnen und Juden (n = 295) weisen wir nach, dass vor allem die Befürchtung, dieBevölkerungsmeinung gegenüber Jüdinnen und Juden in Deutschland hinge mit demsogenannten „Nahostkonflikt“ eng zusammen, zu einem stärkeren „Nahostkonflikt“bezogenen Bedrohungsgefühl beiträgt. Misstrauen in die Fähigkeit von Gerichtenund Medien, auf Antisemitismus angemessen zu reagieren, sind weitere statistischsignifikante Korrelate.
Projekt ArnDt, [Download]
Women have always played a key role in modern extremist organizations. Ambivalent propaganda and recruitment strategies also specifically target women. In addition, research findings highlight different gender-specific reasons for radicalization. This article deals not only with the isolated question of possible gender specifics, but also with the (re)construction of gender orders and stereotypes in thefield of prevention and deradicalization in the context of Islamism. Through the documentary analysis of eleven interviews with actors involved in prevention and intervention in Germany, three types of gender constructions in the field of prevention and deradicalization from Islamism were reconstructed in which gender orders and gender-specific assumptions about radicalization processes are expressed. The first type emphasizes emotionality and influenceability as stereotypical female characteristics and understands the radicalization of women as a process of assimilation. In contrast, the second type emphasizes recognition and self-determination. Here, the radicalization of women is primarily understood as a functional strategy for liberation from the social gender order. In the third type, the interviewees focus on idealistic and ideological elements and understandradicalization as a process of developing political subjectivity.
Projekt Distanz, [Download]