Eckdaten

Leitung: 

  • Prof. Dr. Mouhanad Khorchide, Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Laufzeit: 03/2021 - 03/2025

Ressentiment als affektive Grundlage von Radikalisierung (Ressentiment)

Die Rolle der Ausbildung einer kulturrelevanten Affektlage der Unterlegenheit und des Ressentiments unter Musliminnen und Muslimen bei Prozessen ihrer Radikalisierung 

Das Forschungsvorhaben interessiert sich für den kulturellen Boden, auf dem islamische Radikalisierung gedeihen und Resonanz finden kann. Es geht der Frage nach, welchen Anteil die Ausbildung einer kulturrelevanten Affektlage der Unterlegenheit und des Ressentiments unter Musliminnen und Muslimen an Prozessen ihrer Radikalisierung hat. ‚Ressentiment‘ bezeichnet dabei die Verfestigung eines Gefühls der Kränkung, das negative soziale Erfahrungen hypostasiert und positive Ansätze einer Verbesserung der Lage entwertet. Es drückt sich in Polarisierungen zwischen den Bevölkerungsgruppen entlang ethnischer und religiöser Grenzziehungen aus. Diese beziehen sich auf negative Erfahrungen bzw. Wahrnehmungen der Diskriminierung im Alltag, die im Ressentiment von ihrem pragmatischen Sachzusammenhang abgekoppelt werden und eine Eigendynamik gewinnen, die schließlich gegenüber den möglichen positiven Erfahrungen mehr oder weniger resistent bleiben. Um die Spezifik ressentimentgeladener Affektlagen herauszuarbeiten, sind ressentimentfreie Selbst- und Fremdwahrnehmungen im Minderheits-/Mehrheitsfiguration für unser Vorhaben ebenfalls von Interesse. Das Projekt ist quantitativ und qualitativ angelegt. Eine repräsentative Befragung soll Ausprägungen und Verbreitung von sozial, religiös und politisch aufgeladenen Ressentiments unter in Deutschland lebenden muslimischen Einwanderern erfassen. Zum anderen ist geplant, Ziele und Organisationsstruktur islamischer Vereine und Assoziationen und dabei insbesondere die in diesen Milieus gepflegten Wahrnehmungsmuster und Einstellungen etwa zur nichtmuslimischen Umwelt zu analysieren. Diese Wahrnehmungsmuster sollen zugleich mit den Wahrnehmungsmustern in anderen muslimischen Milieus, die keinen Bezug zu den ressentimentgeladenen Gruppen haben, kontrastiert werden, um unterschiedliche Formen der Diskriminierungswahrnehmung und Differenzen in ihrer Verarbeitung herauszustellen.