Eckdaten

Leitung: 

  • Prof. Dr. Andreas Zick, Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG), Universität Bielefeld
  • Prof. Dr. Sebastian Kurtenbach, FH Münster, Fachbereich Sozialwesen

Laufzeit: 10/2020 - 09/2024

Praxispartner

  • Planerladen e.V. Dortmund (Website)
  • Violence Prevention Network (Website)

Aktuelle Publikationen

  • Kurtenbach, Sebastian 2021: Radikalisierung und Raum. Forschungsstand zur Untersuchung räumlicher Einflüsse auf Radikalisierung, Bielefeld/Münster. Beitrag zur Schriftenreihe "Radikalisierende Räume" [Download]

Radikalisierende Räume (RadiRa)

Untersuchung der Rolle von Stadtteilen für salafistische Radikalisierung bei gleichzeitiger Entwicklung eines raumbezogenen präventiven und intervenierenden Ansatzes der Sozialen Arbeit

In der internationalen Literatur zeigt sich ein Zusammenhang von räumlichen Konstellationen, im Speziellen von segregierten Stadtteilen, und den Ausreisen jihadistischer Foreign Fighters. Innerhalb der letzten 10-15 Jahren sind verschiedene europäische Städte, u.a. Berlin (Senatsverwaltung für Inneres und Sport 2017), Brüssel (van Vlierden 2016), London (Soufan/Schoenfeld 2016) und Dinslaken (Duranöz 2017) zu „Jihadi Hotbeds“ (Varvelli 2016) geworden. Aus dieser Perspektive gelangen islamistische Lebenswelten ins lokale Bewusstsein und der Islamismus tritt als lokale Konflikterscheinung im Kontext räumlich bezogener Radikalisierung hervor. Segregierte Räume sind in der Vergangenheit zu radikalisierenden Räumen geworden, unklar ist, wieso und wie.

In der Debatte um Radikalisierung wird räumlichen Einflüssen jedoch kaum Rechnung getragen. Vielmehr werden Risikofaktoren (u.a. Horgan 2008; Kruglanski et al. 2014) als auch prozessuale Übergänge im Rahmen von Radikalisierungsverläufen modelliert (u.a. McCauley/Moskalenko 2017; Moghaddam 2005). Die Rolle des Raumes, im Sinne einer lokalen Lebenswelt, wird in der Explikation von Radikalisierung kaum systematisch untersucht, sondern allenfalls als Opportunitätsfaktor erfasst (Baier 2018). Das heißt, Räume werden zwar als Orte der Radikalisierung identifiziert (Khosrokhavar 2016), ihnen wird aber kein eigenständiger Effekt zugesprochen.

Im Projekt „Radikalisierende Räume“ (RadiRa) wird der Raum als Einflussfaktor auf salafistische Radikalisierungsprozesse erforscht. Ziel ist ein Verständnis über die räumlich bezogenen Kontextbedingungen, unter denen salafistische Radikalisierungsverläufe stattfinden, zu ermitteln und die Möglichkeiten sozialpädagogischer Intervention im Rahmen von Prävention zu stärken.

Forschungspraktisch werden aufeinanderfolgend drei deutsche Stadtteile jeweils ein Jahr lang interdisziplinär untersucht: Neben einer ethnografischen Erhebung des jeweiligen Stadtteillebens, mit besonderem Augenmerk auf salafistische ‚Hotspots‘, werden standardisierte Befragungen sowie leitfadengestützte Expert*innen- und Bewohner*inneninterviews durchgeführt.

Zu Beginn und zum Abschluss des Projektes sowie zu jeder Feldphase werden Workshops mit Praktiker*innen organisiert. Durch den permanenten Austausch mit lokalen und überörtlichen Akteuren wird so ein Instrument der Sozialen Arbeit entwickelt, dass in der primären- bis tertiären Prävention eingesetzt werden kann.

Ergebnisse wie Projektpublikationen, Dokumentationen der Feldforschungen und Lehrforschungsprojekte werden auf einer Projektplattform öffentlich im Sinne des Open Access zur Verfügung gestellt.