Webtalk zur laufenden RADIS-Kurzstudie

Auswirkungen des Kriegs im Iran und Nahen Osten auf Radikalisierung und Präventionsstrukturen in Deutschland

Am 31. August stellte das RADIS-Team in einem Webtalk Zwischen­ergebnisse aus seiner laufenden Kurz­studie vor. Die Studie analysiert, welche Aus­wirkungen das aktuelle Konflikt­geschehen im Iran und dem Nahen Osten in Deutschland haben.
 
Vor dem Hintergrund der Angriffe der USA und Israels auf den Iran sowie der Aus­weitung des Konflikts fokussiert die Studie folgende Fragen: Wie wirken sich diese Ereignisse auf Radikali­sierungs- und Polarisierungs­dynamiken hierzulande aus? Welche neuen Bedarfe entstehen für die Praxis? Und wie können Forschung, Sicherheits­behörden und Zivilgesellschaft besser zusammenarbeiten?

Die vorgestellten Einblicke stützen sich auf Fokusgruppen-Interviews mit Teilnehmer*innen aus der Präventions­arbeit, Sicherheits­behörden, Wissen­schaft sowie der jüdischen und musli­mischen Community in Deutschland. 

Diese Gespräche zeigten, dass der Überfall der islamistischen Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und der darauf­folgende Krieg in Israel und Gaza für viele die tiefste Zäsur bleibt. Seit dem Frühjahr 2026 hat sich die Konflikt­lage erneut zugespitzt: Militärische Eska­lationen im Nahen Osten, darunter die Angriffe der USA und Israels auf den Iran, haben den Konflikt auf weitere Staaten der Region, darunter den Libanon und die Golf­staaten, ausgeweitet. Die Entwicklungen haben den Druck im Alltag in Deutschland für viele spürbar verstärkt. So berichteten Betroffene von der Sorge, politische oder religiöse Zugehö­rigkeiten offen zu zeigen. Auch Forschende äußerten die Angst, bestimmte Meinungen wegen möglicher Stigmatisierung oder einem Reputations­verlust nicht mehr frei äußern zu können. Neben dieser wachsenden Selbst­zensur und einer subtilen Sprach­losigkeit verschärfen vor allem digitale Entwick­lungen den Druck. Während sich radikale Narrative verbreiten, dient Künstliche Intelligenz zunehmend als neue Instanz für die Orien­tierung in komplexen Konfliktfragen, was die Teilnehmer­*innen als Risiko sehen. 

Im Umgang mit diesen komplexen Heraus­forderungen forderten sie daher die Entwicklung klarer Handlungs­kompetenzen für den pädagogischen Alltag – etwa an Schulen, um Provokationen von diskriminie­renden Ideologien zu unterscheiden –, geschützte Dialog­räume sowie verlässliche Strukturen für einen praxisnahen Wissenstransfer.

Sowohl in den Fokus­gruppen als auch im Webtalk wurde deutlich, dass sich die Bedingungen für die praktische Arbeit verändert haben: Wach­sende Aufgaben und steigende Bedarfe treffen auf begrenzte Ressourcen und fehlende langfristige Planungs­sicherheit. Gerade angesichts der aktuellen Konflikt­lagen wird damit die Frage nach verläss­lichen und zugleich flexiblen Strukturen dringlicher.

Die voll­ständige Kurz­studie wird im Winter 2026 auf Deutsch und Englisch erscheinen.